Es ist so eine Sache mit den Reunions: Wie häufig passiert es, dass eine Band jahrelang von der Bildfläche verschwindet und eine Wiedervereinigung unwahrscheinlicher ist als ein Lottogewinn. Und wenn die Sehnsüchte der Fans ins Unermessliche gestiegen sind, kommen die Angebetenen wieder, spielen ein paar herbeigesehnte Shows – und enttäuschen. Und selbst wenn die Konzerte noch vom Geist des freudigen Wiedersehens funktionieren, scheitern die meisten Reunions spätestens am Versuch, mit einem neuen Album an die alten Tage anzuknüpfen.
So hätte es auch Selig bei ihrer Wiedervereinigung gehen können - tat es aber nicht: In den 90ern schienen sie das Erbe von Rio Reiser antreten zu wollen – doch dann wurde alles zu viel. "Wir waren 48 Stunden am Tag Selig", beschreibt Jan Plewka die Umstände der unseligen Trennung. Doch fast ein Jahrzehnt später treffen sich einzelne Bandmitglieder nach und nach wieder, teils nach langer Funkstille. Zu einer Wiedervereinigung gab es Vorbehalte innerhalb der Band, vielleicht auch Vorbehalte der Fans, ob das denn gut gehen könnte. Und dann kommen Selig nicht nur mit einer Tour, sondern auch mit "Und endlich unendlich" wieder: einem Album, dem selbst viele Kritiker und Nörgler Respekt zollten. In Sachen Reunions sicher eine der wenigen positiven Ausnahmen.